Neue Perspektiven für die Gesundheitspolitik

Gesundheitspolitik ist für mich ein zentrales Thema, es gibt viel zu gestalten und umzusetzen. Folgende Eckpunkte sind mir – neben dem Erhalt und der Weiterentwicklung aller Standorte des Klinikums der Region Hannover und der Umsetzung der drei aktuell geplanten Investitionsprojekte – besonders wichtig:

  • Gesundheit ist ein Querschnittsthema und muss daher in allen Bereichen der Region mitgedacht werden („health in all policies“)
  • vom Amt zum Dienstleister – ich möchte den öffentlichen Gesundheitsdienst zu einem starken zukunftsfähigen Servicebereich ausbauen
  • das Projekt „Gesundheitsregion“ braucht neue Impulse – mit bedarfsgerechten Präventionsprojekten

Deutschland verfügt über ein gutes Gesundheitssystem. Allerdings wird der Schwerpunkt auf Behandlung statt auf Gesunderhaltung gesetzt. Hochspezialisierte FachärztInnen sind wichtig und notwendig, aber gute Gesundheitspolitik heißt, präventiv zu handeln und auch die Ursachen in den Blick zu nehmen. Gerade in der Region können wir dort ansetzen, wo die Menschen leben. Vor Ort lässt sich der Bedarf am besten erkennen und wir können frühzeitig auf Prävention und Vorsorge setzen. Diese Chance möchte ich aufgreifen. Ich möchte Angebote zur Gesundheitsförderung verstärken und die Rahmenbedingungen für ein gesünderes Leben in der Region verbessern.

Gesundheitspolitik ist für mich eine Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen mitgedacht werden muss. Gesundheitsschutz bedeutet auch der Schutz vor Lärm am Arbeitsplatz und am Wohnort ebenso wie der Schutz vor Umweltgiften, Luftschadstoffen. Gesundheitsschutz ist ein Thema, was alle Menschen elementar berührt.

Es ist ganz eng mit grünen Kernthemen der Klima- und Umweltpolitik verbunden – man kann sagen, Umwelt- und Klimaschutz ist gleich Gesundheitsschutz. Daher steht grüne Politik für eine starke Gesundheitspolitik und das nicht erst seit der Pandemie. Wichtig ist es, dass wir über eine regional gesteuerte Gesundheitsversorgung verfügen, die vorausschauend alle Bereiche von Prävention und Gesundheitsförderung bis zur medizinischen Versorgung, Rehabilitation und Pflege im Blick hat und vernetzt die richtigen Lösungen findet.

Modernisierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes

Eins der wichtigsten Handlungsfelder ist die Neuausrichtung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, denn hierfür ist die Region Hannover direkt zuständig. Neben der ambulanten und stationären Versorgung ist der öffentliche Gesundheitsdienst ein wichtiger Baustein des deutschen Gesundheitswesens. Er arbeitet gemeinwohlorientiert, multiprofessionell mit einem Schwerpunkt auf bevölkerungsbezogene präventive Aufgaben. Allerdings hat er – aus meiner Sicht zu Unrecht – den Ruf etwas „verstaubt und zu bürokratisch zu sein“. Kritisiert wird zu Recht die unzureichende Personalausstattung und mangelnde technische Ausstattung. Das konnten wir in der Pandemie deutlich erkennen.

Ich bin erfreut, dass Bund und Länder nun den „Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossen haben und die Bundesregierung für diese Zukunftsaufgaben bis zum Jahr 2026 insgesamt 4 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Eine zentrale Aufgabe aller Kommunen – so auch der Region – wird es nun sein, diese Finanzmittel zielgerichtet einzusetzen. 

Was ist konkret zu tun?

Wir brauchen eine dauerhafte Personalaufstockung in allen Bereichen. Dies kann durch die Mittel aus dem Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst auch finanziert werden. Allerdings muss dieses Personal auch gewonnen werden und das ist nicht einfach, weil die Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitsdienst noch unattraktiv scheint. Das liegt zum Teil an der Vergütung, aber auch an mangelndem Wissen über die Tätigkeit. Hier möchte ich ansetzen.

Die Vergütung für Ärztinnen in den Gesundheitsämtern ist niedriger als beispielsweise in Krankenhäusern. Es ist also erforderlich, die Gehälter anzupassen. Hier müssen wir gemeinsam mit dem Land neue Wege in der Vergütungsstruktur und Besoldung finden. Die derzeit geleistete Sonderzulage im Rahmen der Pandemie ist langfristig nicht ausreichend. Die finanzielle Mehrbelastung für die Region kann durch den bereits erwähnten Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst abgefedert werden.

Wichtig ist es auch, dass der öffentliche Gesundheitsdienst schon im Medizinstudium eine breitere Rolle gewinnt. Hier wird schon einiges überlegt. Beispielsweise soll zukünftig das praktische Jahr im Rahmen des Medizinstudiums im öffentlichen Gesundheitsdienst absolviert werden können. Aber auch später muss die Fort- und Weiterbildung stärker mit den Hochschulen vernetzt werden.

Für die Region heißt es, eine enge Kooperation mit der MHH sicherzustellen. Das ist für mich ganz wichtig, um zukunftsfähige Strukturen für den öffentlichen Gesundheitsdienst aufbauen zu können. Meine berufliche Erfahrung im Wissenschaftsministerium bietet hier für mich die nötige Plattform und das Erfahrungswissen über die jeweiligen Strukturen.

Eine höhere Attraktivität des Berufsfelds hängt natürlich auch mit den Aufgaben zusammen. Ganz klar muss das Profil der Gesundheitsämter noch einmal deutlich geschärft werden. Von reinen Schutz- und Überwachungsfunktionen, die natürlich erforderlich sind, muss sich der Fachbereich mehr der Verantwortung im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention stellen. Es braucht eine stärkere Vernetzung und Koordination mit allen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitsbereich und vor allem eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft erforderlich. 

Dabei muss zunächst vor allem eine handlungsorientierte Gesundheitsberichterstattung aufgebaut werden. Damit werden der Gesundheitszustand der Bürgerinnen und Bürger sowie einzelner spezifischer Gruppen und die Versorgungsstrukturen in einem definierten Gebiet erhoben. Ziel ist es, gesundheitliche Risikofaktoren zu erkennen, um rechtzeitig mit zielgerichteten Maßnahmen zu intervenieren und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Möglichkeiten für Prävention und Gesundheitsförderung vorrangig umgesetzt werden müssen. Hier müssen nicht nur einfach Daten gesammelt werden, sondern der Schwerpunkt ist auf die Handlungsorientierung zu setzen.

Gesundheitsregion Hannover mit neuen Impulsen stärken 

Bei den „Gesundheitsregionen in Niedersachsen“ handelt es sich um ein Projekt, das vom niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird. Ziel ist es, in den Kommunen Strukturen für eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung zu schaffen und innovative Projekte zu entwickeln. Es geht dabei gerade auch um die Entwicklung und Umsetzung neuer medizinischer Versorgungsprojekte, die Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention stärken sollen. Gerade für Erkrankungen mit komplexen Behandlungsprozessen ist eine gute Vernetzung und Kooperation zwischen den einzelnen Sparten des Gesundheitswesens wichtig. Auch die Region Hannover hat sich hier mit einigen Projekten schon gut eingebracht. Dies möchte ich ausbauen und meine langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen einbringen, um die starken PartnerInnen in der Region noch enger an einen Tisch zu bringen und unsere Gesundheitsversorgung sektorenübergreifend und zukunftssicher aufzustellen. 

Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen zurzeit mit nicht unerheblichen finanziellen Ressourcen die Umsetzung von Präventionsprojekten in einigen Landkreisen. Dabei werden vorrangig Maßnahmen gefördert, die die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen unterstützt und auch gesundheitliche Ressourcen und die Widerstandskraft stärken sollen. Die Idee ist es, die Pflegebedürftigkeit älterer Menschen zu verhindern oder möglichst lange hinauszuschieben. Gerade in einer alternden Gesellschaft müssen wir unser Augenmerk darauf richten, dass ältere Menschen gesund bleiben, sozial integriert sind und in ihrem Quartier Anschluss finden. Ein derartiges Projekt stelle ich mir auch für die Region Hannover vor. Auch hier kann ich mein Erfahrungswissen einbringen und möchte in Kooperation mit den Krankenkassen zielgerichtet Projekte zur Gesundheitsprävention umsetzen.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Präventionsprojekten, die ich ausbauen und unterstützen möchte. Wichtig sind dabei immer ein partizipatives Vorgehen sowie die chancenorientierte Ausrichtung und Vernetzung wichtiger Akteure und Ressorts. Dabei gibt es konkrete Projekte wie z. B. Kochkurse an öffentlichen Orten mit großen Küchen (Verbindung von Ernährung, Ernährungsberatung und geselligem Zusammensein); generationenübergreifende Koch- und Bewegungsprogramme, ein generationenübergreifendes Theaterprojekt der Musik- und Kunstschule im Altenzentrum; mobile Angebote wie Bibliothek auf Rädern oder präventive Hausbesuche durch Quartiersmanagement organisiert für ältere, sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen oder ehrenamtliche Besuchsdienste zur verbesserten Integration. Hier gibt es ein breites Aufgabenspektrum, was mit örtlichen Partnern durch den Fachbereich Gesundheit koordiniert und unterstützt werden kann.

Der Fachbereich Gesundheit sollte in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben der zukünftigen Regierungspräsidentin sein. 

Die Pandemie hat allen Menschen, aber natürlich vorrangig den Akteurinnen und Akteuren aus dem Gesundheitsbereich unglaubliche Kräfte abverlangt. Was man für welche Bereiche im Einzelnen daraus lernen kann, muss sorgfältig untersucht werden und das findet in verschiedenen Gremien ja schon statt. Hier gibt es keine einfache Lösung! Eins ist jedoch klargeworden: der öffentliche Dienst darf nicht kaputtgespart werden. Beispielsweise das Gesundheitsamt der Region hat aus allen Bereichen Personal zusammengezogen, um die Pandemie zu bekämpfen. Da haben viele Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr bis an den Rand ihrer Kräfte gearbeitet. Vergleichbares gilt für das Gesundheitsministerium, wo in kürzester Zeit große Stäbe aufgebaut wurden, um die vielen Aufgaben bewältigen zu können. D. h., die Kolleginnen und Kollegen waren äußerst flexibel und bereit, weit über ihre Grenzen zu arbeiten. Das muss mehr honoriert werden. Die einzelnen Bereiche in den Verwaltungen sind häufig personell unterbesetzt. Gesundheitsmanagement oder eine gute Personalführung steht nicht immer im Fokus des öffentlichen Dienstes. Wir müssen mehr investieren in eine gute Aus- und Fortbildung und ein zukunftssicheres Personal- und Gesundheitsmanagement. Eine moderne Verwaltung mit einem gut qualifizierten und motivierten Personal ist für mich elementar, um für alle Aufgaben, die noch auf uns zukommen, gut gewappnet zu sein. Mit meiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft in der Verwaltung bringe ich viel Herzblut und Know-how für diese Aufgabe mit!